Meyenburg-Preis 2019

Auszeichnung für herausragende Forschung zu Blutkrebs

Der mit 50 000 Euro dotierte Meyenburg-Preis 2019 geht an Benjamin L. Ebert vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston. Er erhält die Auszeichnung für seine herausragenden Forschungsergebnisse zur Entstehung und Therapie von Blutkrebs-Erkrankungen. Der Meyenburg-Preis wurde am 7. November 2019 im Rahmen eines Symposiums im Deutschen Krebsforschungszentrum verliehen.

Benjamin L. Ebert © DKFZ

"Benjamin Ebert ist ein ausgesprochen kreativer und vielseitiger Wissenschaftler. Seine Arbeiten haben in unterschiedlichen Bereichen der Krebsforschung zu wichtigen neuen Erkenntnissen geführt, die das Verständnis von Krebserkrankungen entscheidend verbessert haben. Seine Forschungsergebnisse haben darüber hinaus unmittelbare diagnostische und therapeutische Auswirkungen", sagt Stefan Fröhling, Vorstand der Meyenburg-Stiftung und geschäftsführender Direktor des NCT Heidelberg. "Der Meyenburg-Preis 2019 würdigt Benjamin Eberts herausragende Beiträge zur Verbesserung der klinischen Versorgung von Krebspatienten durch hochkarätige Forschung."

Eines der am meisten beachteten Ergebnisse aus Eberts Labor war die Identifizierung genetischer Mutationen in Zellen des Bluts und des Knochenmarks, die bei älteren Menschen zur Entstehung einer Leukämie prädisponieren. Die von diesem "prämalignen Syndrom" Betroffenen erfüllen nicht die Kriterien einer Blutkrebsdiagnose, obwohl dieselben Mutationen auch bei Leukämien auftreten. Dies fanden Ebert und Kollegen an den Genomdaten von zehntausenden von Personen heraus. Menschen, bei denen dieses so genannte "CHIP-Syndrom*" auftritt, haben ein zehnfach höheres Risiko, an Blutkrebs zu erkranken, als die Allgemeinbevölkerung, außerdem eine deutlich erhöhte Gesamtsterblichkeit, sowie, zur Überraschung der Forscher, auch ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen. Patienten, bei denen CHIP diagnostiziert wurde, können nun engmaschig auf Bluterkrankungen kontrolliert werden, um möglichst frühzeitig eine Behandlung einzuleiten.

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Benjamin Ebert konnte außerdem die Wirkungsweise eines wichtigen Krebsmedikaments aufklären: Das dem Contergan verwandte Lenalidomid wirkt gegen bestimmte Formen des multiplen Myeloms. Die Substanz – und verwandte Medikamente – bewirkt in der Zelle, dass bestimmte krebstreibende Transkriptionsfaktoren abgebaut werden, was wiederum das Tumorwachstum drosselt. Diese Erkenntnisse waren der Ausgangspunkt für ein ganz neues Forschungsfeld, in dem mittlerweile enorme Anstrengungen unternommen werden, Medikamente zu entwickeln, die in der Lage sind, krebstreibende Proteine abzubauen.

Die Meyenburg-Stiftung unter dem Dach des Deutschen Krebsforschungszentrums vergibt die Auszeichnung seit 1981. Dr. Marion Meyenburg, die Tochter des Stifterehepaars Wilhelm und Maria Meyenburg, wird den diesjährigen Preis zum Ende des Symposiums persönlich überreichen. Die Auszeichnung, die jährlich für herausragende Leistungen in der Krebsforschung vergeben wird, gehört zu den am höchsten dotierten Wissenschaftspreisen in Deutschland. Der Stellenwert dieser Auszeichnung zeigt sich auch daran, dass bereits zahlreiche Meyenburg-Preisträger mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurden: Andrew Fire, Meyenburg-Preisträger 2002, wurde im Jahr 2006 der Medizin-Nobelpreis verliehen. 2009 erhielt Elizabeth Blackburn, Meyenburg-Preisträgerin des Jahres 2006, den Nobelpreis für Medizin. Shinya Yamanaka, Meyenburg-Preisträger 2007, wurde 2012 ebenfalls mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet. Stefan Hell, Meyenburg-Preisträger 2011, erhielt den Nobelpreis für Chemie 2014.

Neben Benjamin Ebert sprechen beim Meyenburg-Symposium 2019 Hartmut Döhner (Universitätsklinikum Ulm), Richard Rosenquist Brandell (Karolinska Institute, Stockholm), Rocio Sotillo (DKFZ) und Winette van der Graaf (Netherlands Cancer Institute, Amsterdam). Die Veranstaltung beginnt am Donnerstag, 7. November 2019, um 15:30 Uhr im Kommunikationszentrum des DKFZ. Interessierte sind herzlich zum Symposium und zur Preisverleihung eingeladen.

*CHIP: clonal hematopoiesis of indeterminate potential

Quelle: DKFZ

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