Tagungsbericht der Akademie Fresenius

Stoffgemische: In Kombination gefährlich?

Ende März hatte die Akademie Fresenius in Düsseldorf zur 17. internationalen Konferenz „Food Safety and Dietary Risk Assessment“ eingeladen. Vertreter der OECD und europäischer Behörden diskutierten über die kumulative Risikobewertung von Pestizidrückständen und die Bewertung chemischer Mischungen.

Kann sich die Schädlichkeit von Pestiziden für Mensch und Umwelt erhöhen, wenn sie in Kombination miteinander auftreten? Das Wissen über den „Cocktail-Effekt“ und einhergehende Wechselwirkungen ist noch zu gering, um Rückstandshöchstmengen für Pestizid-Kombinationen festzulegen. Die angemessene Risikobewertung für kombinierte Expositionen ist deshalb eine der meistdiskutierten Fragen unter Toxikologen und Vertretern von Behörden sowie der Pflanzenschutzmittelindustrie. 

Alan R. Boobis vom Imperial College in London sieht in Europa Abstimmungsbedarf über die Prinzipien, nach denen Bewertungsgruppen von Chemikalien definiert werden. Außerdem fehle es an Übereinstimmung, wie Informationen über Wirkungsweisen und Ergebnisse in kumulativen Risikobewertungen zu berücksichtigen sind. Auch der Umgang mit Daten, die in Verfahren ohne Tierversuche gewonnen werden, und ihre Berücksichtigung bei der Bewertung der Evidenzlage bedürften noch der Klärung, so Boobis.

OECD-Leitfaden vorgestellt 

Eeva Leinala stellte einen Leitfaden für die Untersuchung kombinierter Expositionen vor, den die OECD im Dezember 2018 veröffentlicht hat. Danach gibt es derzeit zwei Ansätze zur Bewertung von Pestizid-Kombinationen: Der „Whole Mixture Approach“ (WMA) analysiert Gemische als Ganzes; der „Component Based Approach“ (CBA) betrachtet die Bestandteile einzeln. Leinala betonte, dass mit den verschiedenen Ansätzen zur Risikobewertung eine Reihe von Einschränkungen und Unsicherheiten verbunden seien. Es gelte die Verfahren zu verbessern und weitere Erfahrungen zu sammeln. So seien mehrstufige Unsicherheitsanalysen notwendig – und eine verständliche Ergebniskommunikation an die Entscheidungsträger.

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Auch die EU hat die Risikobewertung von Stoffgemischen als Herausforderung für die Zukunft identifiziert. Seit 2015 entwickeln Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 15 Ländern der Europäischen Union auf der Basis von neu zu entwickelnden und bereits existierenden Testsystemen und Prüfleitlinien eine Strategie zur Untersuchung und zur Bewertung der Toxizität von Stoffgemischen. Die Ergebnisse dieser toxikologischen Untersuchungen fließen in neue computergestützte Modelle für die Berechnung der Risiken ein, die verschiedene Expositionsszenarien, Lebensumstände und Geschlechterunterschiede berücksichtigen. Mögliche Verbesserungen für die Untersuchung von Stoffgemischen sieht Jacob van Klaveren u. a. in expositionsbedingten Ansätzen, der Hinzunahme von kinetischen Informationen und dem Vergleich von berechneten Aufnahmemengen und Beobachtungen am Menschen.

Anneli Widenfalk von der schwedischen Lebensmittelbehörde berichtete über kumulative Risikobewertungen, die in ihrem Land durchgeführt worden sind – unter anderem kombinierte Risikobewertungen von Dioxinen und dioxinähnlichen PCB in Lebensmitteln und die Auswertung von Biomonitoring-Daten für Expositionsbewertungen von Pestizidrückständen. So hat die Behörde einen kumulativen Risiko-Index erstellt. Aktuell geht die schwedische Lebensmittelagentur davon aus, dass Pestizidrückstände keine langfristigen Gesundheitsprobleme für schwedische Konsumenten darstellen. Der Index weist v. a. Einträge aus Äpfeln, Birnen, Zitrusfrüchten, Tomaten, Bananen und Gurken aus. Den größten Anteil am Risiko-Index steuert importiertes Gemüse bei, das Substanzen enthält, die in der EU nicht oder nur bis zu bestimmten Schwellenwerten erlaubt sind.

Quelle: Fresenius Akademie

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